Im letzten Vierteljahr beschäftigte sich die Klasse 10b im Bereich der Grafik mit Schraffuren,
Strukturen sowie dem Hell-Dunkel- Kontrast.
Dies alles sollte dazu führen, nicht nur Anerkennung für das Können anderer Menschen und
Künstler zu entwickeln, sondern auch die eigenen Fähigkeiten in diesem Metier zu erweitern,
um sie gezielt einsetzen zu können.
Als Ausgangspunkt der Auseinandersetzung diente Dürers Holzschnitt „Die vier apokalyptischen Reiter“ (1498). Ein für die Kunstgeschichte sehr wichtiges Bild, aber auch für Dürer selbst, dem es dadurch gelang zeit seines Lebens wirtschaftlich unabhängig zu werden.
Als Auftragswerk innerhalb eines Zyklus` gedacht, dient als Quelle für diesen Stoff die Bibel
(Offenbarung des Johannes). In der Offenbarung berichtet Johannes vom Jüngsten Gericht und dem
Weltuntergang, der ihm in einer Vision mitgeteilt worden sei. Bei diesem Ende der Welt oder den
„letzten Dingen“ würde Jesus im Auftrag Gottes jeweils ein Siegel brechen. Dadurch würde jeweils
ein Reiter erscheinen, der Schrecken und Gefahr für die Menschheit bringe, um den Weltuntergang
einzuleiten. Dies geschehe nacheinander, bei Dürer allerdings gleichzeitig.
Bei ihm symbolisiert der erste Reiter mit dem Schwert den Krieg, der zweite Reiter mit Pfeil und
Bogen steht für die Pest und allgemein für Seuchen. Der dritte Reiter hat in seiner Hand eine Waage, die ihm fast entgleitet. Er soll die Teuerung (Inflation), wenn alles aus dem Gleichgewicht gerät, veranschaulichen. Der vierte Reiter kommt auf einem dürren Gaul daher und trägt als Waffe
eine Mistgabel bei sich. Er steht für den Tod.
Die Schüler sollten das Bild adaptieren und mit Mittel der heutigen Zeit aktualisieren. D.h. sie
sollten überlegen: Wie sieht mein apokalyptischer Reiter aus, welche Waffen und Transportmittel
nutzt er?
Kommt er so brachial wie bei Dürer oder sieht er aus wie wir und kommt mit dem Fahrrad, der
Straßenbahn oder mit dem Skateboard? Und wie kann man Inflation darstellen? Viele Begriffe
mussten geklärt, das Selbstvertrauen in die eigenen bildnerischen Fähigkeiten gestärkt werden.
Die Klasse hat gute Arbeiten abgegeben, drei habe ich hier ausgewählt.
Wer konnte im November wissen, dass die künstlerische Aktualisierung von der Wirklichkeit
getoppt werden würde.
A. Foldrownick
(Fachlehrerin)
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