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Der Underdog – Sheriff Tiraspol in der Champions League

18.01.2022 von Luca Tönjes

Die CL (Champions League) ist schon voll im Gange. Es gibt Teams, die besser und schlechter spielen als erwartet.

Als Beispiel der RB Leipzig und der AC Milan, zwei Topklubs, die eigentlich unterschiedlicher nicht sein könnten. Der eine ist ein Verein, den es erst seit 2008 gibt und der sich innerhalb von acht Jahren von der 5. in die 1. Bundesliga hoch gewirtschaftet hat.

Und bei dem AC Milan ist es ganz anders. Er ist ein Traditionsklub, der schon seit Jahrzehnten Titel um Titel gewinnt und bei dem schon die größten Spieler gespielt haben.

Eines haben sie aber gemeinsam: Sie stehen beide nach drei Spielen zu Beginn der Saison noch punktlos dar, obwohl manche Gegner auf dem Papier eigentlich schon abgeschrieben waren, als die Gruppen ausgelost wurden.

Der wohl größte „Underdog“ ist wohl die Mannschaft von Sheriff Tiraspol, die in der aktuellen Saison gegen die großen Klubs wie Real Madrid, Inter Mailand und Shakhtar Donezk, die europaweit deutlich bekannter sind, gespielt haben. Die ganze Fussball - Welt jubelt dem kleinen moldawischen Verein zu, aber ohne seine Geschichte zu kennen.

Sheriff Tiraspol ist ein moldawischer Verein, der in der Heimat einen Erfolg nach dem anderen feiern kann. In den letzten 20 Spielzeiten wurden sie 18 x Meister.

Aber warum der schnelle Aufstieg des 1997 gegründeten Vereins.

Viktor Gushan, der Präsident und Gönner des Vereins, ist zugleich Gründer einer großen Firma, namens „Sheriff“. Daher der Name des Vereins. Die Firma ist eine Sicherheitsfirma. Der Chef der Firma, Wadim Krasnoselski, Ist heute Präsident des Staates Transnistrien. Dieser Staat wird allerdings nicht als eigenständiges Land anerkannt. Deswegen werden sie auch als „De Facto Staat“ bezeichnet. Das Land hat eine eigene Regierung, eine Verwaltung und eine eigene Währung.

Die Partei „Erneuerung“, die über 29 von 33 Sitzen im transnisterischen Parlament besitzt, gehört auch zu Sheriff, wodurch sie auch viel Macht hat. Also kann der Präsident der Firma gewissermaßen machen, was er will.

Vor nicht allzu langer Zeit hat das Parlament beschlossen, dass die Regel, mindestens vier moldawische Spieler im Kader zu haben, abgeschafft wird, um im europäischen Geschäft mehr Chancen zu haben. Sheriff bildet unbekannte Spieler aus, um mit ihnen erst Erfolge zu feiern und dann mit ihnen „Kohle“ zu machen. Also gewissermaßen „ALLES FÜR DAS GESCHÄFT“ !

Eines der Beispiele: der Spieler Sebastien Thill, ein 27jähriger offensiver Mittelfeldspieler, der von „Progress Niederkorn“ ausgeliehen ist. Der Verein kommt euch nicht bekannt vor? Ich erkläre euch, warum. „Progress Niederkorn“ ist ein luxemburgischer Verein, der dort zwar sehr erfolgreich ist, aber zum Großteil aus Spielern besteht, die keiner kennt.

Aber das ist Sheriff’s Masche, Spieler auszubilden, die keiner kennt. Und wie? Denn er kauft die Spieler nicht einmal, er leiht sie nur aus, um sie günstig zu kaufen und, wenn sie gut spielen, teuer zu verkaufen. Die Spieler sind für den Verein einfach nur Verkaufsobjekte. Den Chefs und dem Konzern ist alles andere egal. Hauptsache, man macht ordentlich Kohle.

Thill könnte jetzt für eine mickrige Summe fest zum Verein stoßen und dann für deutlich mehr Geld wieder gehen. Das macht Sheriff jetzt, bis sie einen Klub mit Top - Spielern und Chancen auf europäische Trophäen haben.

Sheriff versucht so wenig Geld wie möglich auszugeben. In diesem Jahr haben sie für 15 Neuzugänge gerade mal 250 Tausend Euro bezahlt.

Wie denkt man jetzt über den Klub? Weiter für ihn freuen, weil er immer noch ein „Underdog“ ist? Oder ist man enttäuscht, dass so ein Klub existieren darf und verachtet ihn?

Das ist hier die Frage!

Fotos: pixabay.com