Ich habe es erlebt und nehme dich mit.
Bist du dabei?
Zuerst: Was sind Yeziden / Eziden?
Yeziden / Eziden ist eine monotheistische Religion. Die Religion ist noch vor dem Christentum entstanden und wird auf etwa 2.000 vor Christus datiert.
In diesem Glauben gibt es nur einen allmächtigen Gott.
Yeziden glauben an Seelenwanderungen (ein Leben nach dem Tod),eine Hölle oder einen Teufel gibt es nicht in dieser Religion.
Ein Glaubensbuch wie die Bibel oder den Koran gibt es auch nicht, der Glaube wird nur mündlich überliefert.
Geheiratet wird nur innerhalb der Gemeinschaften (Shex, Mirid, Pir)
(z.B. ich als Yezidin darf keinen Christ oder Muslim heiraten oder einen Yeziden, der nicht Mirid ist, da ich eine Mirid bin.)
Man kann nicht ins Yezidentum konvertieren, man wird als Yezide geboren.
Mein Name ist Maeda, ich bin jetzt 15 Jahre alt. Meine Familie und ich lebten bis zum Jahr 2014 in dem Dorf Xaushaba im Irak. Wir wohnten in einem kleinen Haus, bauten dort Radieschen, Petersilie und viele andere Pflanzen an. Wir hatten auch Tiere, zum Beispiel Hühner, Hasen, Ziegen und ein paar andere Tiere. Von den Tieren und Pflanzen haben wir gelebt. In unserem Dorf bin ich auch zur Schule gegangen, bis in die fünfte Klasse. Dort war es sehr streng. Wenn du nicht aufgepasst hast, wurdest du direkt geschlagen. Das war schlimm, aber für uns war es normal.
Doch dann im Juli griffen die IS in der Stadt Mosel in unserer Nähe an und am 3.8.2014 auch unsere Gebiete. Sie griffen uns um ca. 23 Uhr an. Als wir die Schüsse hörten, flohen wir ohne richtiges Ziel.
In dieser Zeit war meine Mutter schwanger und insgesamt waren wir zehn Personen. Wir nahmen die Traktoren im Dorf und fuhren Richtung Dohuk in die Berge. Auf dem Weg Richtung Dohuk ging es meiner Mutter sehr schlecht, darum fuhren wir trotz der gefährlichen Situation zuerst zum Krankenhaus. Etwas später machten wir uns wieder auf den Weg und um drei Uhr nachts kamen wir in Dohuk in den Bergen an. Wir lebten ca. fünf Monate in einem kleinen Haus dort, das kein Strom und kein Wasser hatte und nicht mal zu Ende gebaut war.
Die ersten Monaten waren ziemlich schlimm, denn wir hatten kein Wasser, keinen Strom, um die Nachrichten zu schauen sowie keine passende Kleidung für die kalten Nächte. Und das Schlafen? Unmöglich! Wir mussten die erste Woche lang auf dem Boden schlafen, denn wir hatten weder Matratzen, Kissen noch Decken bis wir an fremde Haustüren geklopft haben und die Menschen baten, uns zu helfen. Am 23.12.2014 bekam meine Mutter meine kleine Schwester ohne ärztliche Behandlung. Nur andere Verwandte, die auch in die Berge geflüchtet waren, haben ihr geholfen. Ungefähr einen Monat nach der Geburt meiner kleinen Schwester gingen wir zurück in unser Dorf, um etwas teurere Gegenstände zu verkaufen, da jeder Geld brauchte. Jedoch hatte die IS schon alles mitgenommen und über 50 Häuser zerstört. Viele Häuser konnte man noch reparieren, jedoch war das nur verschwendete Zeit, denn der IS griff unser Dorf nach vier bis fünf Monaten wieder an.
Diesmal flüchteten wir nach Bagdre. In Bagdre angekommen diskutierten wir nicht lange und wollten meinen ältesten Bruder, der damals 13 Jahre alt war, nach Deutschland schicken, weil meine Oma schon zwei Jahre in Deutschland lebte und wir unbedingt einen sicheren Ort finden mussten. Jedoch fehlte uns das Geld. Nun bettelten wir Nachbarn und Verwandte (die auch nach Bagdre geflüchtet waren) um Geld an. Als wir genug Geld gespart hatten, schickten wir ihn nach Deutschland. Er war 17 Tage lang unterwegs und erreichte sein Ziel (Deutschland) endlich.
Was mit dem Rest der Familie war? Wir mussten zweieinhalb Jahre warten, aber wir hatten Glück, denn mein Bruder war noch jung und somit bekam er schnell die Papiere, um die Familie nachzuholen. Andere Familien mussten über fünf Jahre warten.
(Fotos: Mokhles Khudur)