Hallo, ich bin Jonte 13 Jahre alt. Wegen einer seltenen Muskelkrankheit sitze ich seit fast 1,5 Jahren im Rollstuhl. Seit dem Kindergartenalter habe ich immer weniger Kraft in den Händen und mir fallen einige Sachen im Alltag schwer. Damit meine ich z.B. Flaschen aufmachen, längeres Schreiben, feste Schleifen binden oder so.
Ich habe immer gerne Fußball gespielt und bin viel Fahrrad gefahren. Das habe ich auch letztes Jahr im Februar gemacht, als ich plötzlich mit dem Rad umkippte und nicht mehr laufen konnte. Ich hatte überhaupt kein Gleichgeichtsgefühl mehr und auch keine Kraft!
Zu Hause konnte ich mich dann gar nicht mehr selbstständig fortbewegen.Meine Mama musste mich überall hintragen! Ich hatte zusätzlich so starke Schmerzen...manchmal immer noch!
Anfangs hatte ich Krücken, damit ich mich möglichst selbstständig fortbewegen konnte. Trotzdem gab es viele Situationen, in denen mir das nicht gelang. Schließlich bekam ich dann einen Leihrollstuhl und später meinen eigenen!
Ich wollte unbedingt in die Schule zurück. Und dann stand die Klassenfahrt an.
Glücklicherweise konnte ich mit! Herr Stadler hat sich das Lastenrad meiner Mama geliehen und mich so transportiert. Zusammen haben wir zwei sehr schöne Fahrradtouren gemacht. Nach der Klassenfahrt musste ich zur Kontrolle ins Krankenhaus, wo die Ärtzte meine Symptome "komisch" fanden. Deswegen musste ich zwei Wochen da bleiben und sie haben unendlich viele Untersuchungen gemacht. Dann meinten die Ärzte, dass ich eine Reha machen müsste!
In der Reha war es schrecklich! Wegen Corona durfte ich nur nachmittags kurz Besuch von meiner Familie bekommen - mit Abstand und Maske. Außerdem sollte ich da zur Logopädie und in der Ergotheerapie Puzzle für Kleinkinder machen. Ich hatte das Gefühl, dass mich keiner ernstnimmt, fühlte mich beschissen und wollte da nur noch weg!
Deswegen waren wir uns alle einig, dass die Reha beendet wird. Die Ärzte haben gesagt, ich brauche ganz viel Ruhe und soll meine Muskeln nicht zu sehr belasten, weil sie sich sonst zurückbilden. Meine Mama hat zu Hause mit mir Übungen gemacht und ich war 2x in der Woche bei der Physiotherapie. Die Ergotherapeutin fühlte sich irgendwann zu höherem berufen und wollte mit mir Psychotherapie machen. Da meinte ich: Das ist nicht Ihr Berufsfeld! Entweder Sie machen das, was sie können oder ich komme nicht mehr. Ich bin dann nicht mehr hingegangen.
Endlich konnte ich dann wieder zur Schule. Mein Klassenraum war im 2. Obergeschoss, in das Mama mich jeden Tag hochgetragen hat. Dann kamen auch schon die Sommerferien. Wir sind mit der Klasse in den Neubau gezogen, wo auch eine Rampe ist, so dass ich ohne Probleme in den Klassenraum kann. Viele von meinen Freunden verstehen immer noch nicht, wie das alles so kommen konnte und was es für mich bedeutet, aber trotzdem hat uns die ganze Situation zusammmengeschweißt.
Foto: Jonte Küntzel Klasse 8b