Hallo liebe Schaumstoffleser/innen ich bin Jonte, 13 Jahre alt und sitze seit Anfang 2022 im Rollstuhl. Warum? Darüber habe ich auch schon einen Artikel geschrieben. Jetzt dachte ich mir, mache ich noch einen über meinen Alltag. Jetzt viel Spaß beim Lesen.
Als ich meinen eigenen Rollstuhl bekam, ging ich zu den Rolli-Kids in Achim. Ein guter Freund von mir, so wie ich Rollstuhlfahrer, war auch in der Gruppe. Er meinte: „Komm mal mit, das macht richtig Spaß!" Also bin ich nach Achim gefahren und habe es mal ausprobiert. Es hat wirklich richtig Spaß gemacht. Weil die Gruppe sehr klein war, dürfen die Geschwister und Freunde mitmachen. Also haben wir als ganze Familie jeden Samstag Kids-Sport gemacht.
Einen Monat später war ich zum ersten Mal bei Sit ´n´ Skate, wo man mit dem Rollstuhl Rampen runterfahren kann oder auch Tipps und Tricks beigebracht bekommt, um Alltagsprobleme besser zu überwinden und den Rollstuhl besser kennen zu lernen. Ich habe da zum Beispiel den Wheelie geübt und wie ich bis zu drei Treppenstufen ohne Probleme runterfahren kann. Einmal im Monat gibt es das Angebot in Bremen in der Skatehalle vom Sportgarten und ich bin, wenn es geht, immer dabei. Mir macht es Spaß, alles mit dem Stuhl auszuprobieren und mittlerweile ist er wie ein guter Freund - immer dabei!
Nach einigen Malen Kids-Sport hat der Trainer mich gefragt, ob ich nicht mal zum Rollstuhl-Rugby mitkommen will. Eigentlich wollte ich nur zugucken, aber die Mannschaft hat mich so herzlich begrüßt und alle waren super freundlich zu mir, so dass ich doch gleich mitgemacht habe. Dadurch hat der Sport mich so gepackt, dass ich nicht mehr aufhören wollte! Nach drei Monaten Rollstuhl-Rugby habe ich einen großen Leistungssprung gemacht. Mein Trainer, der in der Zeit einige Wochen aus gesundheitlichen Gründen nicht beim Training war, war ziemlich angetan und hat mich mit zu meinem ersten Spieltag nach Paderborn genommen. Ich bin nicht nur mit Abstand der jüngste Spieler in meiner Mannschaft, sondern in der gesamten Nord-Ost-Liga.
Am Kids-Sport nehme ich mittlerweile nicht mehr teil. Lieber gehe ich zweimal die Woche zum Rugby und einmal im Monat zu Sit ´n´ Skate.
Mein Ziel ist es, den Weltrekord im Wheelie-Langzeitfahren zu brechen. Der Rekord liegt aktuell bei 26, 4 Kilometern! Cool wäre auch, wenn ich ohne Hilfe die Treppen vom Deich zum Stadion runterfahren könnte. Das übe ich nach und nach.
Der allergrößte Traum wäre aber die Teilnahme bei den Paralympics im Rollstuhl-Rugby!!!
Am Anfang habe ich doofe Blicke oder auch Fragen bekommen, zum Beispiel: „Kannst du einen Trick???“ In der Schule fühle ich mich wie ein Vorführhase, weil ich oft Tricks zeigen soll. Ich frag ja auch nicht alle Fußgänger, ob sie Flickflack können... Oder „Kann ich auch mal fahren???“ Klar, verleiht ja auch jeder seine Schuhe!!!
Wenn ich zum Beispiel mit meinem Assistenten den Treppensteiger benutze, machen viele so eine Art Spalier! Es fühlt sich nicht immer so an, als wollten sie uns aus dem Weg gehen. Eher, als wollten sie besser gaffen können. Also Leute geht aus dem doch einfach weiter!
Das Ziel müsste sein, dass INKLUSION ganz "normal" überall - auch in der Schule - gelebt wird!!! Inklusion fängt bei jedem an!
Ich gehe selbstständig einkaufen, wie jeder andere in meinem Alter auch, nur bekomme ich vielleicht nicht so viele und schwere Sachen mit. Oft kommen auch Fragen im Geschäft, ob ich Hilfe bräuchte oder ob Fremde mich mal eben wegschieben dürften. Das sind nett gemeinte Angebote, die ich meistens verneine. Ich kann das selbst!
Ich verabrede mich mit Freunden, unternehme viel mit meiner Familie, engagiere mich in einem SchülerInnenrat zum Thema Inklusion, mache gerne Sport und fahre Handbike! (Erklärung Handbike: das ist ein halbes Fahrrad, das ich mir an den Rollstuhl einhake).
Den Wheelie mache ich eigentlich zu jeder Zeit im Rollstuhl. Es ist kein Angeben weil ich mein Können zeigen will, sondern eher wie das von einem aufs andere Bein treten bei Fußgängern.